Es ist eine lange Fahrt von der Hauptstadt Muscat bis in den Süden Omans, in die Region Dhofar. Rund 1.000 Kilometer entlang von sandigen, flachen Ausläufern des „leeren Viertels“ sind es, wenn man den Highway im Inland benutzt. Es ist Anfang Jänner als wir die Reise in den Süden gemeinsam mit Johannes Eltern beginnen. So eintönig es wirkt, wir genießen es trotzdem. Wir haben gelernt so gut wie jeder Gegend etwas abzugewinnen. Ein kleiner Abstecher zu faszinierenden Steinformationen in der annähernd weißen Wüste versüßt uns den ersten Fahrtag. Am zweiten Tag hüpfen uns eine Gottesanbeterin, mehrere Dromedare, und beeindruckend große Strommasten vor die Linse. Man findet auch in kargen Gegenden so viel Unterschiedliches am Boden. Tolle Sonnenuntergänge. Es macht den Kopf frei einmal nicht so viel auf einem Fleck zu sehen. Nach drei Tagen ist es geschafft.
Wir sind in der Region Dhofar, im Land des Weihrauchs. Eine absolut geschichtsträchtige Region rund um alte Handelswege. Hier wollen wir über die Gewinnung und Geschichte von Weihrauch lernen und natürlich auch einfach ein paar Tage das tropische, angenehm warme Klima rund um die Hafenstadt Salalah genießen.
Unser erster Stopp ist der Wadi Dawkah und der dort liegende Park voller knorriger Weihrauchbäume. In der Antike war die Provinz Dhofar das Zentrum des Weihrauchanbaus. Es gibt in dem Gebiet einen offenen Bereich an dem die Weihrauchbäume besichtigt und näher begutachtet werden können. Damals war das Harz des kleinwüchsigen Baums Boswellia sacra das begehrteste Räucherwerk und so wertvoll wie Gold. Wir finden in der sengenden Hitze den ein oder anderen Rest Weihrauch an den Schnittstellen. Acht Kilo können pro Saison von einem gesunden ausgewachsenen Weihrauchbaum geerntet werden. Drei Jahre wird er beschnitten, danach darf er einige Saisonen pausieren. Schattenspender sind sie auf jeden Fall nicht, die wertvollen Bäume. Ansonsten passiert im Jänner hier nicht viel, es ist noch nicht Saison.
Zwischen März und April beginnt die Weihrauchernte, die sich über mehrere Monate hinzieht. Die Erntemesser sind besonders scharf, sodass keine große Kraft beim Einritzen benötigt wird. Bei der Ernte ist höchste Vorsicht geboten. Denn die Rinde des Baumes darf nicht zu tief eingeschnitten werden. Dies würde dazu führen, dass die Borken nicht mehr nachwachsen und der Baum austrocknet. Bei der ersten Ernte quillt es milchig-weiß heraus. Dieses Harz ist wertlos und wird abgeschabt. Noch zweimal wird der Baum an der selben Stelle mit einem Abstand von einer Woche eingeschnitten. Nach dem dritten Schnitt blutet endlich das kostbare Weihrauchharz aus der Rinde.
Vier Qualitätsstufen gibt es zu differenzieren. Sie unterscheiden sich farblich klar zwischen Dunkelbraun über Bernsteinfarben und einem gelblichen Weiß zu einem fast transparenten Grün. Wir nutzen die Gelegenheit und kaufen am traditionellen Weihrauchsouk von Salalah eine größere Menge des wertvollen Harz für zu Hause. Weihrauch wird uns in Zukunft nicht nur an Weihnachten oder die Kirche erinnern, sondern auch an die schönen Tage im Süden Omans. Die Stadt ist heute modern und lebhaft, der Duft von Weihrauch hängt aber noch immer an ihr.
So trocken das Flussbett am Wadi Dawkah ist, so tropisch ist das Klima in Salalah. Im Mittelalter war die Stadt ein wichtiger Handelshafen, heute prägen hohe Kokospalmen die Straßen und in vielen Ortsteilen befinden sich Obstplantagen. Man kann es kaum glauben, dass man eben noch durch eines extrem trockenes Flussbett spaziert ist, wenn man kurz darauf bei einem Abstecher in der feuchten Hitze die unglaublich großen Palmen bestaunt. An den Rändern der Plantagen verkaufen Expatriates aus Indien und Sri Lanka die Fülle an Obst und Gemüse die hier wächst.
Zur „Khareef Season“ von Ende Juni bis Mitte September, wenn es auf einem Großteil der arabischen Halbinsel brütend heiß ist, findet man in der Region Dhofar ein grünes Paradies. Warmer Nieselregen und feuchter, perlgrauer Nebel sind typisch für den sommerlichen Südwestmonsun, der sich an den bis zu 800 m hohen Hängen des Qaragebirges auf einem ca. 100 Kilometer breiten Abschnitt abregnet. Die Wadis werden in diesen Monaten zu Flüssen und überall stürzen Wasserfälle die Berghänge hinab. Kein Wunder, dass viele Araber*innen im Sommer in dieser Region Urlaub machen. Dann herrscht rund um Salalah Hauptsaison, die Hotelpreise steigen teils um bis zu 100% – ca. eine Million Besucher schätzt man nur während der „Khareef Season“.
Wir suchen ebenfalls Abkühlung. Am Meer. Aber nicht in den Hotels und Palmenstränden rund um Salalah, sondern noch ein wenig südöstlich am wunderbaren Fazayah Beach. Hier baden an manchen Stellen sogar Dromedare. Der saubere, weiße Strand mit seinem angenehmen türkisblauen Wasser ist für uns nicht nur ein kleiner Erholungsort, sondern auch der südlichste Punkt unserer Reise. Auch wenn es ein paar weitere Monate dauert, bis wir in den Heimathafen einlaufen, fühlt sich diese Reise das erste Mal etwas endlich für uns an. Wir fühlen uns gut dabei. Das Sultanat Oman war uns für zwei Monate ein schönes, lehrreiches und interessantes Zuhause. Mit den so gastfreundlichen Menschen, den Bergen, den Wüsten, den Wadis, dem Meer. Mit dem Weihrauch, den Festungen, dem historischen Bootsbau, den Dattel- und Obstplantagen und dem so ausgeklügelten Falaj-Bewässerungssystem. Es gäbe noch Vieles über dieses Land zu erzählen. Vielleicht machen wir das irgendwann. Nun geht es jedoch erst einmal weiter. Unser nächstes Ziel ist nicht weniger interessant und so brechen wir Anfang Februar auf ins Königreich Saudi-Arabien.








































Hallo Ihr Lieben, was für ein schöner Bericht liebe Michi wir hoffen es geht Euch gut Wir verfolgen Eure Route gespannt lasst es Euch gutgehen Uli und Alice
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