Das Sultanat Oman. Wir reisen an einem Freitag, dem 8. Dezember 2022 über die Grenze bei Hatta im Hajargebirge. Dieser Gebirgszug zieht sich vom Norden Omans von der Halbinsel Musandam über Teile der arabischen Emirate, vorbei an der Hauptstadt Muscat bis zur historischen Hafenstadt Sur. Im Westen geht das durchschnittlich 2000 Meter hohe Gebirge in die riesige Rub Al Khali über, im Osten schließt eine weitere Sandwüste, die Ramlat al Wahiba, an das Hajargebirge an. Das Gebirge ist geprägt von schroffen Felsen, trockenen Sträuchern, knorrigen Bäumen und beherbergt viele verschiedene Wadis. Diese (halb-) ausgetrockneten Flussbette scheinen alle irgendwie ähnlich und doch ist jedes einzigartig für sich.
Als wir uns für die arabische Halbinsel als Winterziel entschieden, locken uns die milden Temperaturen, die vielfältige Landschaft, die besondere Kultur und natürlich wieder einmal die Menschen. Denn jeder, der schon einmal den Oman bereiste, erzählt uns von einer wunderbaren Gastfreundlichkeit und der Freiheit ÜBERALL wild campen zu können. Unser Einstieg in das Land strotzt von dem Gefühl, hier wirklich willkommen zu sein. Wir werden in einem Café auf Kuchen und Getränke eingeladen und mit Reisetipps versorgt, sowei keine Stunde später zu einem traditionellen Freitagspicknick von omanischen Frauen dazugeholt. Die Bäuche randvoll gefüllt mit süßen Köstlichkeiten ziehen wir uns am ersten Abend in einen ruhigen, kleinen Wadi zurück. Wir lernen die unaufdringliche Gastfreundschaft der Omaner*innen, sowie die Ruhe des Landes schnell lieben.
Der Oman beherbergt, wie bereits erwähnt, zwei Sandwüsten. Die östlichen Ausläufer der großen Rub Al Khali mit ihren unglaublich hohen Dünen auf hellem, teils mit kleinen Büschen bewachsenen Untergrund. Und die im Vergleich dazu recht kleine Ramlat al Wahiba, besser bekannt als „Wahiba Sands“ mit ebenfalls hohen Dünen.
Humor und Geduld sind zwei Kamele, mit denen Du durch jede Wüste kommst.
Arabisches Sprichwort
Wir dürfen vor Weihnachten diese Wüste mit unseren Freunden Elisabeth, Rainer und ihrem Hund Gabriel durchqueren. Die Hauptpiste ist nicht schwer zu befahren, aber zur Sicherheit ist ein zweites Fahrzeug immer gut und außerdem macht es gemeinsam mehr Spaß. Die erste Nacht schlafen wir in einem Dünental umgeben von Kamelen in der Ferne, viel Sand in der Luft und Ziegenkacke am Boden. Letztere bemerken wir erst nachdem wir unseren Schlafplatz in der Dämmerung eingerichtet haben. Das sind ja doch keine Steine! Egal, für eine Nacht zum Aushalten.
Die nächsten zwei Tage verbringen wir mit der Durchquerung der Wahiba Sands. Rund 30 Kilometer nach dem Einstieg erklimmt man eine hohe Düne um danach die restliche Strecke auf einer Art Hochebene aus Sand zu fahren. Wir machen lange Mittagspausen und erfreuen uns über die gemeinsame Zeit mit unseren Mitreisenden. Immer wieder sind wir fasziniert von den verschiedenen Farben des Sands, die sich mit der Sonneneinstrahlung ergeben. Wir entdecken unerwartet viele verschiedene Pflanzen und Tierspuren. Mitten in dieser abgeschiedenen Gegend findet man eine große Moschee und den ein oder anderen spaßigen Einheimischen. Die können schön lachen wenn sie mit ihren 250 PS Landcruisern sprichwörtlich über die Dünen hüpfen. Da plagt sich unser Schneckenhaus schon mal erst beim dritten Anlauf bis ans Ende einer Dünenkuppe. Während unserer Durchquerung haben wir immer viel Wind und somit viel Sand in der Luft. Das ist der einzig ungute Teil dieser Geschichte.
An der Küste trifft die Sandpiste auf Beduinendörfer, dann auf die Hauptstraße und den dahinter liegenden indischen Ozean. Keine zwei Wochen später sind wir zurück und feiern im Norden der Sandwüste mit viel Weitblick, Lagerfeuer und gutem Essen ins neue Jahr 2023. Wieder nicht alleine. Dieses Mal mit meinem Bruder Gregor und seinem Freund Michael.
Sucht man Abkühlung im Sultanat Oman bieten sich auch in den Wintermonaten einige dauerhaft wasserführende Wadis mit ihren erfrischenden glasklaren Pools an.
Unser „Lieblingswadi“ ist in dieser Hinsicht der der Wadi Muyadin. Wir finden ihn eher zufällig weil wir nahe der Stadt Birkat al Mawz einen Schlafplatz suchen. Anfangs zieht sich die Schotterpiste, die teilweise eher wie Wellblech ist, durch ein weites Tal umgeben von hohen Felswänden. Die Felsen rücken immer mehr zusammen, bis es irgendwann nur mehr zu Fuß weitergeht. Hier beginnt auch der Wanderweg durch das Wadi, der rund 1000 Höhenmeter weiter oben am fruchtbaren Sayq Plateau endet. Dazwischen findet man einladende Badetümpel, die uns an den guten alten „hinteren Rindbach“ zu Hause erinnern. Wir verbringen hier an den schönsten Pools zweimal einen wunderbaren Badevormittag – ab der Mittagszeit liegt der Wadi wegen seiner hohen Felswände schon wieder im Schatten. Einmal wird unser Ausflug begleitet von den Ziegen des angrenzenden Orts, ein zweites Mal von den Großeltern aus der Heimat. Denn der Oman bringt uns neben meinem Bruder auch Johannes Eltern in unsere Nähe.
Mit ihnen fahren wir in den Süden des Landes und besuchen den Wadi asch-Schuwaimiyya. Er ist glücklicherweise nicht so schwierig zu erreichen, wie sein Name auszusprechen ist. Dieser Wadi hält Mitte Jänner zwar keine Abkühlung für uns bereit, aber ganz besondere Felsformationen und kleine Oasen. Diese werden von Wasser, das über Stalagtiten läuft bewässert. Als wir ihn besuchen tropft es nur ganz langsam von den Wänden herab. Man fühlt sich plötzlich wie in einer anderen Welt, wenn man durch das Trockental fährt – ist man doch nur einige Kilometer von der flachen Küste des indischen Ozeans entfernt.
Mit dem dritten „W“ des Omans geht es im kommenden Beitrag weiter. Denn der Oman beherbergt nicht nur Wadis und Wüsten, das Sultanat ist schon seit langer Zeit DAS Land des Weihrauchs.












































Wieder ein so schöner Bericht
Der Oman ist Klasse 👍
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