Genau sieben Wochen lang dürfen wir Georgien und seine Vielfältigkeit kennenlernen. Wir sind in den unterschiedlichen Bergregionen unterwegs, zweimal in der Hauptstadt Tiflis, ein paar Tage am Schwarzmeer. In heißen und kalten Regionen, hoch und tief.
In Georgien haben wir zum ersten Mal auch reisetechnisch ein paar Tiefs. Immer wieder Regen und Kälte, Ausfall der Stromversorgung beim schlechtesten Wetter, eine Magen-Darm Infektion von Leo und natürlich die schlimmen Nachrichten aus Armenien, dann aus dem Iran. Mit der Angst um unsere neu gewonnenen Freunde kommt zusätzlich Unsicherheit für den weiteren Reiseverlauf dazu, haben wir uns doch schon so eine schöne Route für den Winter ausgedacht. Gleichzeitig plagt uns das schlechte Gewissen, denn unsere Probleme sind doch genau genommen noch immer klitzekleine Kleinigkeiten in dieser Welt. Keine gute Mischung für einen (zu) viel nachdenkenden Mensch wie mich. Wir versuchen natürlich trotzdem die Wochen in Georgien zu nutzen und haben insgesamt eine schöne Zeit.
Besonders in Tuschetien bei den Dörfern Omalo und Dartlo, sowie in der Region rund um das Truso und Juta Tal genießen wir den Herbst in vollen Zügen.
Der große Kaukasus erstreckt sich mit einer Länge von 1.200 Kilometern von der Region bei Sotschi in Russland fast bis nach Baku in Aserbaidschan. Ein großer Teil dieses imposanten Gebirges verläuft in Georgien. Frei befahrbare Bergpässe gibt es hier gefühlt an jeder Ecke. Eine Tatsache, die wir in Mitteleuropa kaum noch kennen. Georgien gilt unter Vielen als DAS Land zum Offroaden für 4×4 Fahrzeuge. Da bleibt es auf einer Reise mit einem Landcruiser natürlich nicht aus, den ein oder anderen Pass zu testen.
Einer dieser Pässe ist der Abano Pass. Er zählt zu den gefährlichsten Straßen der Welt. Mit über 70 Kilometern Länge auf zum Teil sehr schlechter Schotterstraße gestaltet sich so eine Fahrt bei uns als Tagestour, von morgens bis abends. Er ist mit 2.826 Metern einer der höchsten befahrbaren Bergpässe im Kaukasus. Der Pass hat einige enge Spitzkehren und liegt eindrucksvoll in den steilen Bergwänden.
Wenn wir zurückdenken, bleibt uns aber nicht die Passfahrt in bester Erinnerung – die sich für uns mitunter als nicht so gefährlich anfühlte – sondern die kleinen Dörfer und Täler am Ende des Passes. Wir dürfen bei Omalo zwei Abende lang die Gesellschaft von Susi und Jens aus Deutschland genießen, mit denen wir heute noch laufend in Kontakt sind. Daneben gehen wir wandern und klettern mit Leo in alten Festungen und auf den kleinen Wegen zwischen den Dorfhäusern herum. Wir genießen typisches Essen wie verschiedene Katchapuri, Khinkali und heiße Gemüsesuppe zum Aufwärmen. Das tuschetische Bier wird hingegen nicht unser Lieblingsgetränk. Es schmeckt stark nach Hefe und ist uns zu süß. Dafür trinken wir viel frisches Quellwasser und baden im eiskalten Bach in Dartlo.
Eine Vorahnung wie hart ein Leben im Winter an diesen Orten ist, gibt der Anblick der luftigen Steinhäuser und alten Wehrtürme inmitten der im Herbst gelb gefärbten Wiesen. Gepaart mit Nachttemperaturen rund um den Gefrierpunkt. Im Truso Tal, unserem Lieblingstal in Georgien, kommen wir in den „Genuss“ von gefrorenem Kondenswasser in unserem Schlafgemach (Bild Nr.7). Aussicht auf frisch schneebedeckte Gipfel am Morgen inklusive. Wir haben es in unserem Notbett trotzdem kuschelig warm, die Gegend ist atemberaubend schön und wir bleiben deshalb vier Tage, um das Tal zu erkunden. Untertags sind die Temperaturen angenehm bei knappen 20 Grad. Überall riecht es ein bisschen schwefelig, die Quellen sind mineralhaltig und bilden zum Teil kleine, blubbernde Tümpel.
Ein kleiner Bergsee ist das Ziel unserer Wanderung am Fuße des Chaukhi im Juta Tal. Mit Leo sind wir mit den für ihn machbaren Entfernungen und Höhenmetern gerade etwas gebunden, daher kommen wir nicht bis zum Pass dieses imposanten Berges. Das macht aber nichts. Leo läuft mittlerweile einfach unglaublich gerne selbst und nutzt die Trage, wenn ein Schläfchen dringend notwendig ist. Es kommen schon ein paar Kilometer auf seinen kleinen Füßen zusammen, die wir am Rückweg dieser Wanderung hauptsächlich barfuß bestreiten können.
Unsere Zeit in Georgien zusammenzufassen ist nicht ganz einfach. Wir haben die Vielfalt genossen, die Berge, die klare Luft und den sehr freundlichen, wenn auch im Vergleich eher seltenen Kontakt mit den Menschen. Das Wetter zeigte uns, dass wir schon mal ein paar Tage Regenwetter im Schneckenhaus aushalten. Für einen dauerhaft regnerischen, kalten Herbst und Winter auf Rädern sind wir aber nicht gemacht. Daher geht die Suche nach Sonne und Wärme ab Mitte Oktober vorerst einmal weiter mit einem zweiten Besuch der Türkei.
















































Hallo, ich hab grad eure letzten Berichte gelesen. Ihr habt tatsächlich eine gute Zeit.
Wir vermissen Georgien , Armenien und die Türkei.
Aber die Vorbereitungen für Amerika laufen. KFZ Umbau läuft auch, jetzt warten wir nur noch auf etwas wärmeres Wetter. Macht ihr auch whatsapp?
Noch eine schöne Zeit, wir freuen uns auf neue Berichte!
LG Janet und Robert
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Liebe Janet und lieber Robert! Danke, wir haben wirklich eine gute Zeit. Wir machen auf WhatsApp nichts, falls du meinst, ob wir einen Status teilen. Ich schick Robert aber meine Nummer, dann können wir darüber gerne in Kontakt bleiben 🙂 bin gespannt auf eure Erlebnisse und alles Gute für die Vorbereitungszeit! Alles Liebe
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