Es ist der 30. November 2022 als unser kleines Zuhause auf einer Fähre am persischen Golf Richtung Sharjah, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, schippert. Wir sind einen Tag zuvor mit der Passagierfähre angekommen. Wegen dem Nationalfeiertag, den die Emirate am 2. Dezember feiern, sind alle Hotels überteuert und/oder ausgebucht. Das hätten wir mal lieber vorher recherchiert. Zwei Tage in zwei verschiedenen Hotels in der Stadt, ungewohnte Hitze und Unsicherheit über die Verschiffung unseres Autos, überschatten anfangs unsere Freude über die Ankunft auf der arabischen Halbinsel. Aber wir sind hier, gesund, voller Neugier und nach zwei Tagen warten, sowie einer nervenaufreibenden Auslösung am Hafen, auch wieder im Besitz unseres Zuhauses.
Wir wären nicht wir, würden wir nach so stressigen Tagen nicht sofort in die Natur flüchten. Dubai, Abu Dhabi und die uns noch unbekannte Glitzerwelt der Emirate müssen warten, denn wir verziehen uns erst einmal ein paar Tage in die eher unbebauten Wüstengegenden des Landes. Die erste Nacht in „Freiheit“ verbringen wir bei einem Ghost Town. Es ist ein verlassenes, mittlerweile ziemlich versandetes Dorf, das uns am nächsten Vormittag einen tollen Spielplatz bietet.
Die Rub Al Khali ist die größte Sandwüste der Welt und beherbergt auf zwei Drittel ihrer Fläche Sanddünen mit einer Höhe von bis zu 300 Metern. Ihr Name bedeutet „leeres Viertel“ und dieser macht ihr auf dem Weg von Al Ain nach Liwa kurzzeitig alle Ehre. Wir befinden uns nur in den Ausläufern der Rub Al Khali, der Großteil dieser Wüste ist in Saudi Arabien. Somit werden wir auf dieser Reise noch ein paar Mal mit ihr in Berührung kommen. Die erste Erfahrung ist definitiv lustig und positiv. Denn wenn die E90, die wirklich gut asphaltierte Hauptverbindungsroute Richtung Liwa, plötzlich zum Sandspielplatz wird und man nach einer normalen Steigung der Straße den Allrad inkl. Untersetzung und Differenzialsperren braucht, ist wohl klar, dass man nicht mehr viel von der Straße darunter sieht. Die Gebäude am Straßenrand alle verlassen, kaputt und verwildert. Auf diesen rund zwanzig Kilometern ist die Strecke komplett zugeweht, besteht nur aus Sand. Die Fahrt macht aber gerade deswegen viel Spaß, denn so nah waren wir so hohen Dünen noch nie. Wir genießen die Gegend und die Gastfreundschaft der Einheimischen für zwei Tage in der Nähe von Liwa, gönnen uns noch einen Strandtag und fühlen uns danach bereit für die Stadt.
Die große weiße Moschee von Abu Dhabi beeindruckt schon von Weitem – egal ob bei Tag oder Nacht. Sie war der Traum des verstorbenen Sheikh Emir Zayid bin Sultan. Und dieser Traum wurde im Jahr 2007 realisiert. Aber so richtig. Sie ist die größte Moschee der Emirate und eine der Größten der Welt. Wir verirren uns auf dem weitläufigem Gelände vor dem riesigen schneeweißen Gebäude schon kurz nach der Ankunft. Für Leo wird das Highlight wohl die Fahrt mit dem „Taxi“ – einer Art Golf Caddy – bleiben. Johannes und mich beeindruckt die Größe der Moschee und die Erkenntnis, dass uns das ein bisschen zu groß und opulent ist.
Expatriates werden sie genannt, die Gastarbeiter*innen. Die Menschen, die die Emirate so wie sie sind – unserer Meinung nach – am Leben erhalten. Wir haben richtig schöne Begegnungen mit den Expatriates, die hier rund 90% der Bevölkerung ausmachen und unter anderem aus Pakistan, Indien, Bangladesch und Südostasien kommen. Sie arbeiten. Und arbeiten. Um Geld nach Hause zu schicken oder im besten Fall ihre Familie herzuholen und Karriere zu machen. Wir treffen in Abu Dhabi auf Asim aus Pakistan. Er ist so begeistert von unserem Schneckenhaus, dass er uns kurzerhand am Parkplatz der Marine Mall einen komplett kostenlosen, offiziellen Übernachtungsplatz organisiert. Wir sind nämlich in der Stadt immer etwas gebunden, da wir durch das Aufklappen des Parallelhubdaches sofort ersichtlich campen und nicht „parken“. Asim ist einer der fröhlichsten Menschen, die ich auf der Reise bisher getroffen habe, obwohl er zwölf Stunden Schichten als Parkplatzwächter schiebt und zusätzlich rund drei Stunden pro Tag im Bus sitzt. Seit zwei Jahren ist er hier und besucht nun endlich im kommenden Frühjahr für zwei Monate zum ersten Mal seine Familie. Sein Vater ist krank und auch seiner Frau geht es gesundheitlich nicht so gut. Hier verdient er genug Geld um ihnen die medizinische Versorgung zu finanzieren. Sein Sohn ist noch im Vorschulalter. Asim ist einer von Millionen Menschen in den Emiraten die jeden Tag hart arbeiten, vielleicht zum Teil ganz gut Geld verdienen, aber vor allem oft ihre Familien in ihren Heimatländern dafür zurück lassen müssen. Wenigstens hat er viele Freunde hier, sagt er.
Ehrlich gesagt: Wir werden nicht ganz warm mit diesem unvergleichlichen Land, auch wenn wir im Grunde keine einzig schlechte Erfahrung machen müssen. Besonders für Leo gibt es viel was Spaß macht. So steht er eine geschlagene Stunde fasziniert vor dem riesen Aquarium in der Dubai Mall und empfindet große Freude über das leuchtende Wasserspiel beim Burj Al Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt.
Nach 10 Tagen verlassen wir die Vereinigten Arabischen Emirate wieder. Wir sind froh, einen kleinen Teil davon gesehen und den Kontrast zwischen Arbeiterviertel und Luxuswelt erlebt zu haben. Vor allem sind wir bereichert von den Gesprächen mit Gastarbeiter*innen und Einheimischen. Nun wollen wir aber weiter, zu mehr Natur. Wir hoffen, dass wir dies im Sultanat Oman finden werden.

















































