Langsam aber sicher wollen wir mehr Kilometer Richtung Osten machen, um Anfang Mai im nächsten Land anzukommen.
Wir versuchen es immer wieder mit kleinen Bergsträßchen und landen teilweise echte Volltreffer. Die Straße, die wir uns von Divriği nach Kemaliye raussuchen, führt rauf und runter durch wunderschöne Berglandschaften und ist extrem abwechslungsreich. Das Gestein spielt rote, blaue und grüne Farben.
In Handere einem kleinen Ort halten wir an um Wasser nachzufüllen und werden nach einem netten Gespräch mit Händen, Füßen und dem Google Translator vom Bürgermeister und seiner Frau zum Essen eingeladen. Da es aber elf Uhr ist und wir gerade erst gefrühstückt haben, lehnen wir ab. Die Beiden lassen es sich daraufhin nicht nehmen uns reich mit Milch, Eiern, Hüttenkäse und Joghurt zu beschenken.
Es folgt eine Almenlandschaft und wir entscheiden früher abzustellen und an einem schönen Bach einen Waschtag einzulegen. Eifrig wird die gesamte Wäsche gewaschen, Holz gemacht, Leos Haare werden von Johannes geschnitten und ein warmes Bad eingelassen. Den Abend lassen wir mit Grillen und Lagerfeuer ausklingen. Ein bisschen „Reisealltag“ sozusagen.
Am nächsten Morgen gehts weiter mit der schönen Landschaft. Zuerst noch ein paar Höhenmeter hinauf an einem Schotterwerk vorbei, dann kurz in die letzten Schneereste, wieder runter ins Karstige und am Ende schaut es aus als wären wir im schönen Örtchen Kemaliye nicht in der Türkei sondern in der Schweiz angekommen. Wir kaufen Brot und bewundern die Holzhäuser. Mitten durch den Ort rauscht ein tosender Bach.
Entlang des Euphrat fahren wir weiter wieder in die Berge und Johannes sagt, er fühlt sich fast wie nach Afrika versetzt. Genauso wie uns die Herzlichkeit hier überwältigt, tut es die Landschaft in Anatolien nun auch. Wir fühlen uns richtig wohl hier.
Der weitere Weg führt uns nach Yusufeli, einer Kleinstadt im Tal des Çoruh. Eine Stadt, die es nach Plan eigentlich gar nicht mehr geben sollte.
Wir erfahren, dass Yusufeli in fünf Monaten geflutet werden soll. Geplant wäre es schon früher gewesen, aber die Bauarbeiten sind nicht weit genug fortgeschritten. Hier entsteht nämlich der drittgrößte Staudamm der Welt mit einer Höhe von 275 Meter. Mit dem Kraftwerk mit einer installierten Leistung von 558 Megawatt im Staudamm soll der Strombedarf von 2,5 Millionen Menschen gedeckt werden. Die Bauten sehen irgendwie gar nicht nach einer baldigen Flutung aus. Nur die halbfertigen Brückenpfeiler in der Stadt lassen vermuten wie hoch das Wasser hier in einigen Monaten sein wird.
Das Leben spielt sich gerade noch normal ab, aber die Menschen werden bald umgesiedelt. Der Mann, der uns dies alles erzählt ist sehr traurig darüber. Die neuen Häuser sehen alle gleich aus. Es stimmt uns nachdenklich. Wie es sich wohl anfühlt, wenn die eigene Heimat untergeht?
Der Weg führt uns weiter nach Kars. Wir fahren das hoffentlich letzte Mal in diesem Frühjahr durch frischen Schnee und besuchen bei Regen und Kälte die alte Stadt Ani, ein Weltkulturebe, direkt an der türkisch-armenischen Grenze. Ani war früher die Hauptstadt Armeniens und für über 100.000 Menschen ein Zuhause. Sie liegt direkt an einem Canyon mit dem Fluss Achurjan und war so leicht zu verteidigen, weil nur ein kleiner Teil der Stadt durch eine hohe Mauer geschützt werden musste. Heute bildet der Fluss die Grenze zwischen der Türkei und Armenien. Ein paar Kirchen und Gemäuer sind teilweise erhalten und das Weltkulturebe bietet einen schönen Spaziergang. Der Besuch der Stadt Ani ist unser letzter gemeinsamer Ausflug mit der Besatzung der lieben Olga.
Wenn aus Fremden
Freunde werden.
Dieser Spruch passt wohl sehr gut zu der Begegnung mit Betty und Martin. Dabei kennen wir uns doch erst knapp über zwei Wochen. Es dürfte einfach „gefunkt“ haben zwischen uns und so sind wir uns sicher, dass wir uns irgendwann auf dieser Reise, allerspätestens aber Zuhause wiedersehen und eine gute Zeit miteinander verbringen werden. Gut, dass Oberbayern eine annehmbare Entfernung darstellt.










































Super spannende Reiseberichte.
Da würde man gerne auch dabei sein.
Viel Glück noch auf eurem Weg.
Liebe Grüße Robert Puchner
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