Wer kennt es nicht? Das Bild mit dutzenden von Heißluftballonen, schwebend über einer Art Mondlandschaft? Ja, auch wir kennen es, aber wo genau sich dieser magische Ort in der Türkei befindet wussten wir nicht.
Spätestens nach ein bisschen Recherche ist klar, dass Kappadokien einer unserer einzigen Fixpunkte in der Türkei sein wird.
Doch bevor wir dort ankommen, liegt noch eine seldschukische Schönheit auf unserem Weg. Zwischen Konya und Kayseri steht die Sultan Hani Karawanserei aus dem 13. Jahrhundert. Ein Sandsturm treibt uns und mehrere andere Overlander auf den kleinen Campingplatz direkt neben der Sehenswürdigkeit, die früher Kaufleuten und Reisenden ebenfalls Schutz auf ihren Wegen bot. Bei der Besichtigung beeindruckt uns vor allem die Größe dieser Karawanserei. Wir laufen durch die riesigen alten Stallungen und rätseln wie viele Tiere hier wohl einen Platz fanden.
Danach machen wir Halt in Selime und klettern zum ersten Mal in alten Felsendörfern herum.
Zuerst einfach an den Erstbesten am Straßenrand, die leider zum Teil ziemlich vermüllt und mit „Graffiti“ beschmiert sind.
Bis wir dann bemerken, dass 200 Meter weiter ein ganzes Felsendorf inkl. Kathedrale gut begehbar gemacht wurde. Leo hat natürlich wieder riesen Spaß daran alle Stufen zu erklimmen und auch wir genießen die fasziniereden Räumlichkeiten. Neben den Wohn- und Lagerräumen gibt es eine große Küche und auch einen Weinkeller.
Gleich neben dem Felsendorf befindet sich die Ihlara Schlucht. Hier findet man bei einem längeren Spaziergang ein paar Felsenkirchen mit Wandmalereien. Der Canyon, den man durchwandert ist schön, immer wieder stehen liebevoll gemachte kleine Bankerl auf dem Weg, oder wegen des zu dieser Zeit ankommenden Schmelzwassers, im Fluss. Verschiedenste Vögel kreisen über uns, wir sichten zwei Landschildkröten und zum Abschluss besuchen wir ein Restaurant mit Sitzplatz über dem Fluss.
Seit der Ihlara Schlucht sind wir nicht mehr alleine. Betty und Martin, aus Oberbayern, haben wir in Sultan Hani kennengelernt. Spontan entscheiden wir einen Teil des Weges Richtung Osten gemeinsam zu machen. Ein bisschen Offroad fahren und Spaß haben. Eine gute Entscheidung.
Die unterirdische Stadt Derinkuyu schlägt uns Betty vor. Wir kommen an einem unscheinbaren Parkplatz in der Stadt an und erwarten nicht allzu viel. Was uns aber in den Tiefen offenbart verschlägt uns fast ein bisschen den Atem. Die Gänge wollen nicht enden, überall geht es wieder weiter, wieder tiefer. Insgesamt acht Stockwerke. Unglaublich, dass hier einmal Menschen dauerhaft genügend Luft zum Leben bekommen haben. Dafür sorgten bis zu 15.000 Schächte. Es scheint uns als wären wir Stunden unter der Erde gewesen als wir wieder Tageslicht erblicken.
Und dann heißt es: Günaydin Kapadokya! Und was für gute Morgen uns da in Kappadokien erwarten. Die Tuffsteinlandschaft rund um Göreme beeindruckt uns schon bei der Ankunft an einem sonnigen Nachmittag, aber dass es hier wirklich so magisch werden würden haben wir uns nicht vorstellen können. Besonders am ersten Morgen ist die Stimmung richtig mystisch und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Vier Tage lang bleiben wir an unserem kleinen Lager auf den Tuffsteinfelsen. Wir kochen gemeinsam, sitzen am Lagerfeuer, wandern in den Tälern umher, sehen uns Höhlenkirchen an, bestaunen morgens gemeinsam die Heißluftballone, unterhalten uns stundenlang und haben einfach eine gute und vor allem lustige Zeit. Auch wenn wir Erwachsenen an ziemlichen Schlafmangel leiden genießen wir es sehr so gute Gesellschaft zu haben.
Leo mag unseren Platz auf dem Plateau richtig gerne, steht pünktlich um spätestens sechs Uhr von selbst auf um die „eißen Boone“ anzusehen und hat riesen Spaß am Wandern auf den spannenden Wegen in den Valleys.
Selbst fliegen wir nicht mit den Ballonen mit. Wir wissen, dass diese Art des Massentourismus nicht allen hier in der Region etwas bringt und gefällt. Kritiker berichten von einer unkontrollierten Ausbreitung des Fremdenverkehrs. Man liest, dass durch die Ballone auch immer wieder Felder von Bauern zerstört werden. Außerdem ist es nicht ganz nachvollziehbar, wer bei den hohen Preisen für eine Ballonfahrt den Großteil der Kohle einsteckt. Vom ursprünglichen Göreme gibt es nicht mehr viel, auch wenn es noch immer seinen Charme hat. Für die „Höhlenhotels“ dürften viele Zimmer ohne Genehmigung in den Stein gegraben worden sein. Den Touristen ist das egal, Hauptsache ein gutes Selfie. Wir versuchen natürlich Geld hier zu lassen und gehen daher im familiengeführten Lokal essen, kaufen in den kleinen Geschäften und Bäckereien ein und lassen im Ort unsere Wäsche waschen. In Erinnerung bleibt uns daher nicht das Negative an Kappadokien, sondern eine unverändert hilfsbereite und gastfreundliche Bevölkerung in einer unvergleichlichen Umgebung.
An dieser Stelle ist es Zeit für ein bisschen Werbung, denn Betty hat aus der Zeit in Kappadokien ein schönes Video gebastelt. Wer Lust auf knappe zweieinhalb Minuten Heißluftballon Magie hat, hüpft auf ihren YouTube Kanal „Olga_built_to_explore“ – Viel Spaß!

































