Ohne Plan reisen wir in unser nächstes Land, die Türkei. Es wird immer gen Osten gehen, aber ob im Süden, in der Mitte oder im Norden wissen wir anfangs nicht. So steuern wir langsam das Mittelmeer an, denn dort verspricht die Vorhersage das wärmste Wetter.
Die Türkei ist mehr als neunmal so groß wie Österreich, ein Land voller Abwechslung und Schönheit. Kulturell geprägt von ihrer geografischen Lage zwischen Europa, Asien und dem afrikanischen Kontinent. Ein Land, das jedoch auch immer wieder mit denselben Problemen kämpft, trotzdem einen ehrgeizigen Aufschwung versucht. Ein Land zwischen Moderne, Tradition und dem Islam.
Die Gastfreundlichkeit der Türk*innen zieht uns von Anfang an in ihren Bann und wir fühlen uns sehr wohl. Ein freundliches „Merhaba“ an jeder Ecke. Überall gibt es Tee für uns und Obst oder etwas Süßes für Leo.
Im Westen der Türkei eröffnet sich uns eine Art Freilichtmuseum. Geschichtsinteressierte finden im ganzen Land mehr Zeugnisse der griechischen Antike als in Griechenland selbst. Auf unserem Weg liegen Troja, Teos, Ephesos und eines der sieben Weltwunder, die Ruinen des monumentalen Tempel der Artemis. Die antike Stadt Ephesos beeindruckt uns besonders. Hier lebten im einst wichtigsten Handelszentrum des Mittelmeers rund eine Viertelmillion Menschen. Heute ist das Wasser durch Versandungen rund zehn Kilometer entfernt.
Mehrere Stunden wandern wir durch die teils sehr gut erhaltenen Ruinen. Leo entwickelt sofort eine Liebe zu solchen Sehenswürdigkeiten, die ihm bis heute geblieben ist. Er erklimmt jedes Mal große und kleine Steine, versteckt sich in Ecken, Nischen und versucht immer die beste Aussicht zu bekommen. So kommen wir alle auf unsere Kosten.
Ab sofort geht es weiter östlich. Wir besuchen Pamukkale, das „Baumwollschloss“. Erst am Eingang der Anlage wird uns bewusst welch großartige historische Stätte neben den touristischen weißen Sinterterrassen liegt. Da wir eben den Nordeingang als Parkplatz wählen, dürfen wir rund drei Kilometer durch riesige Grabanlagen, beeindruckende Tore und ein restauriertes Amphitheater laufen, bevor wir an den warmen Mineralquellen von Pamukkale eintreffen. Hier beginnt der touristische „Spaß“. Der begehbare Teil der weißen Terrassen ist relativ klein und gut gefüllt mit Menschen aller Nationen. Leo macht das nicht viel aus, er watet mit Begeisterung durchs warme Wasser. Die Abendstimmung taucht die Terrassen in warmes Licht und wir versuchen es trotz der vielen Leute zu genießen. Am Ende des Tages sind wir uns Erwachsenen aber einig, dass die antike Stadt Hierapolis uns mehr beeindruckt hat, als die eigentliche Touristenattraktion.
Und dann, am nächsten Tag, findet sogar der Osterhase in den Wald von Pamukkale. Ein besonderes und mal ganz anderes Osterfest, das wir in diesem Jahr feiern dürfen.
Angekommen fühlen wir uns schön langsam im neuen Leben und sind gespannt auf die weitere Zeit in der Türkei.























